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Zuhören ist eine Kunst. Offenbar.

Das vorab: ich kann es. Und ich mache es auch gern.

 

Aber was mir auffällt, ist, dass es manchmal auch gern vergessen wird.

 

In den letzten Tagen ist es mir mehrfach aufgefallen, wie wenig Menschen - und damit meine ich leider Family & Friends, bei der Supermarktkassiererin wäre es mir egal - dazu bereit sind.

 

Wie viel unterbrochen wird, wie wenig auf das Gesagte eingegangen wird, wie sehr Gesagtes als Stichwort für eine eigene Story genutzt wird.

 Jetzt könnte der geneigte Leser zu dem Gedanken kommen, dass ich möglicherweise zu umfangreich formuliere und meine Gesprächspartner damit langweile, so dass sie sich gezwungen fühlen, das Thema zu wechseln.

 

Nein.

Im Gegensatz zu ausufernden Worten in der Schriftform bin ich mündlich eher kurz. Und konzentriere mich auf Wesentliches. Details liefere ich, wo ich sie angebracht finde (denn das auf der anderen Seite ist auch schrecklich - Menschen, die im Gespräch alles nur anreissen und man sich den Rest erfragen oder zusammenreimen muss).

 

Insofern bin ich gerade etwas genervt und habe wenig Lust auf Kommunikation, verbale.

 

Kurze Beispiele:

 

Telefonat mit einer Freundin am Samstag. Ich berichte über die Sorgen über meine Großmutter und über die Belastung, die ich damit verspüre. Und werde permanent unterbrochen, ja, unterbrochen, dass das ja bei ihrer Oma genauso war, warum Oma sich so verhält wie sie es tut, dass ich mich davon nicht aufressen lassen darf. Herrgott, ich wollte mich doch gerade mal auskotzen! Und das klappt nur, wenn man auch zu Wort kommen darf.

 

Nächstes Beispiel: Treffen mit einer Freundin am Sonntag. Auch da - permanente Unterbrechungen mit eigenen Erfahrungen.

 

Und dann wieder das nächste Treffen gestern mit einer anderen Freundin, vorher reger Emailkontakt und auch die Versicherung beiderseits, schön, dass wir uns am Montag sehen, da gibt es ja viel zu reden. Jede Menge Stoff auf der Agenda. Tja. Ich fange was an - und werde schon wieder unterbrochen. Und die Agenda bleibt - unbesprochen. Dafür der Speiseplan des Wochenendes.

 

Letztes Beispiel - ich weiß, ich langweile, aber wie gesagt, in der Schriftform bin ich länger, schon allein, weil es sich mehr um ein Selbstgespräch handelt und ich nicht unterbrochen werden kann, Halleluja! - Telefonat mit meinem Vater, der eine Woche verreist war, im Urlaub im November eine neue Frau kennen gelernt - er ist seit einem Jahr Witwer und ich sozusagen Halbwaise - und die nun zum ersten Mal besucht, ganz im Glück, ich freue mich wirklich von Herzen, ich habe keinerlei Eifersucht in mir, was da angeht, wirklich. Und dennoch - hätte ich mich gefreut, wenn er auch nur einmal gefragt hätte, wie es mir geht und wie ich die Woche verbracht hätte. Ganz abgesehen davon, dass ich es nett gefunden hätte, wenn er sich zurückgemeldet hätte und nicht darauf gewartet, dass ich mich mich melde. So wie es in unserer Familie eigentlich Tradition ist.

 

Sehr lang geworden.

Kein Mensch glaubt mir jetzt mehr, dass ich unterbrochen werde, obwohl ich nicht langatmig werde beim Reden.

 Glaubt es mir bitte.

 

Mich nervt es gerade mächtig.

 

Es mag ein Minderwertigkeitskomplex sein. Denkt man. Ist es aber nicht. Mein Selbstwertgefühl ist völlig ok.

 

Aber es geht mir auf den Keks, dass ich Dinge, die mir wichtig sind, nicht bis zum Ende besprechen kann. Ja, noch nicht mal besprechen kann, weil eben so kein Dialog entsteht. Ich habe keine Lust, dann immer wieder auf mein Thema zurück zu kommen, ich habe es insbesondere in den letzten Tagen mehrfach probiert, aber so klappt es nicht. Ausbremsen.

Nein, es ist auch nicht so, dass ich meine Umwelt ständig mit anstrengenden Themen belaste. Und das Phänomen passiert eben auch nicht nur bei essentiellen Themen, sondern auch bei lapidaren.

Wozu führt das?

Dass ich die Gegenwart von Menschen bevorzuge, mit denen das Aufeinandereingehen beiderseitig ist. Ein Thema auch mal bis zum Ende besprochen werden kann. Diskutiert wird.

 Und parallel die Gedanken, die ich bearbeite, eben notiere.

 

Denn dazu ist der Kontakt zu Freunden nun mal (auch) da, Gedanken austauschen.

Aber in den letzten Tagen anhand dieser konkreten Beispiele habe ich eben derzeit das Gefühl, dass es um meine Gedanken nicht so sehr geht.

 

Vielleicht sind sie zu belastend. Keine Ahnung. Soo schlimm sind sie nun wirklich nicht, wie gesagt, manchmal möchte ich mich ja auch nur mal auskotzen. Ich brauche partout nicht immer einen Ratschlag oder einen Erfahrenswert. Warum wird das so häufig ungefragt abgesondert?

 

Und später sagen wieder alle "das haben wir nicht gewusst". ;-)

 

Ich glaube, das ist es, was mich auch nervt.

 

Im Ernst - hier hätte ich gern mal ein paar Erfahrungswerte,

 

Geht die Kunst des Zuhörens, des Aufeinandereingehens verloren? Sind wir alle zu sehr auf uns selber fokussiert? Ich womöglich auch?

Oder umgebe ich mich mit den falschen Menschen?

Oder bin ich zu empfindlich?

 

 

 

29.1.08 23:00
 


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